Vorlesungsplan
Hier ist der Vorlesungsplan, inklusive Literatur zu den meisten der Einheiten:
1. Einheit 19.03.09 Johann Dvořák: Adorno und Wien
In üblichen Darstellungen der ‘Kritischen Theorie’ wird die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Wiener Moderne für das Denken und die wissenschaftliche Praxis von Theodor W. Adorno und Walter Benjamin noch immer unterschätzt. In dies Vorlesungseinheit soll herausgearbeitet werden, wie sehr die Wiener Moderne (in Literatur und Musik) prägend für die Ausformung von Ästhetik und Gesellschaftstheorie bei Theodor W. Adorno gewesen ist; und wie er die Ansätze seiner Jugend in den 60er Jahren wieder aufgenommen und transformiert hat.
2. Einheit 26.03.09 Gerhard Scheit: Ästhetische und politische Theorie bei Adorno
Einerseits soll es um die Entwicklung von Adornos Denken gehen, andererseits um den allgemeinen Zusammenhang gesellschaftskritischer Erkenntnisse mit ästhetischer Kritik.
Literatur:
Detlev Claussen: Adorno. Ein letztes Genie. Frankfurt am Main 2003
Johann Dvorak: Theodor W. Adorno und die Wiener Moderne. Frankfurt am Main u.a.
2005
Themenvorschläge für Abschlußarbeiten:
Adorno und Horkheimer:
Textgrundlage:
“Minima Moralia” (Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften Bd.4) und “Traditionelle und kritische Theorie” (in: Max Horkheimer, Gesammelte Schriften Bd.4)
Adorno und Berg
Textgrundlage:
Theodor W. Adorno/Alban Berg: Briefwechsel 1925-1935. Frankfurt/M. 1997; Gerhard Scheit: Geistig in Wien zuständig - und abgängig. Über Flieh- und Anziehungskraft der “Musikstadt”: Eisler und Adorno, in: Wien, Stadt der Juden, Wien 2004
Adorno und Eisler
Textgrundlage:
Detlev Claussen: Adorno. Ein letztes Genie. Frankfurt/M. 2003; Gerhard Scheit: Geistig in Wien zuständig - und abgängig. Über Flieh- und Anziehungskraft der “Musikstadt”: Eisler und Adorno, in: Wien, Stadt der Juden, Wien 2004
Adorno und Beethoven
Textgrundlage:
Theodor W. Adorno: Beethoven. Philosophie der Musik. Frankfurt/M. 1993
3. Einheit 02.04.09 Esther Marian: Siegfried Kracauer und die Kritik der Kulturindustrie
Als ein Autor, der in der Weimarer Republik als Feuilletonredakteur für die Frankfurter Zeitung arbeitete, der früh den Film und andere Formen populärer Unterhaltungskultur gesellschaftskritisch zu analysieren begann und im Exil mit From Caligari to Hitler und Theory of Film zwei große Studien vorlegte, die zu Standardwerken der Filmtheorie wurden, gilt Siegfried Kracauer dem historischen Klischeedenken als “der Medienmann der kritischen Theorie” (NZZ). Sein Verhältnis zur Kulturindustrie war bei aller Kritik ambivalenter als das Horkheimers und Adornos. Deshalb wird er nicht selten gegen diese in den historischen Zeugenstand gerufen, besonders gegen Adorno, mit dem ihn eine enge und konfliktreiche Freundschaft verband. Doch das Stereotyp vom abgehobenen, arroganten Professor Adorno und vom volkstümlichen, der Kulturindustrie zugewandten Kracauer tut nicht nur Adorno unrecht, sondern auch Kracauer, der nie ein Journalist sein wollte und dessen Kritiken in der Frankfurter Zeitung das Kulturindustrie-Kapitel in der Dialektik der Aufklärung mehr als nur inspirierten.
4. Einheit 23.04.09 Karl Müller: Frankfurter Schule und Wiener Kreis
5. Einheit 30.04.09 Ljiljana Radonic: Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie - Antisemitismus als narzisstische Kränkung und pathische Projektion
In den Dreißiger Jahren drängte sich den Kritischen Theoretikern die Frage auf, warum, trotz objektiver Möglichkeit die befreite Gesellschaft sich nicht einstellen wollte, ja ganz im Gegenteil sich die Massen dem Nationalsozialismus zuwandten. Die Suche nach dem über ökonomische Interessen hinausgehenden Kitt der Gesellschaft führte Horkheimer, Adorno, Marcuse zur Psychoanalyse. Mit Hilfe der Psychoanalyse und der Freudschen Massenpsychologie analysierten sie Antisemitismus als eine narzisstische Kränkung und pathische Projektion. Doch warum zieht seitdem jeder Versuch einer Revision der Theorie ihren gesellschaftskritischen Stachel? Und warum bleiben die “Elemente des Antisemitismus” und die “Studien zum autoritären Charakter” bis heute die gelungensten Analysen des Antisemitismus?
6. Einheit 07.05.09 Irina Djassemy: “Studien zum autoritären Charakter”
Anhand zentraler Aspekte des Verhältnisses von psychologischen und gesellschaftlichen Grundlagen rechtsradikaler Einstellungen wird die Fruchtbarkeit der Studien zum autoritären Charakter für die aktuelle Erforschung faschistischer und antisemitischer Tendenzen gezeigt.
Literatur:
Theodor W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter. Frankfurt/Main 1973
7. Einheit 14.05.09 Stephan Grigat: Kritik des Antisemitismus
Literatur:
Adorno, Theodor W.: Antisemitismus und faschistische Propaganda. In: Simmel, Ernst (Hg.): Antisemitismus. Frankfurt/M. 1993, S. 148-161
Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit. In: Adorno, Theodor W.: Gesammelte Schriften (GS), Bd. 10.2, Frankfurt/M. 1997, S. 555-572
Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max: Elemente des Antisemitismus. Grenzen der Aufklärung. In: Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max: Dialektik der Aufklärung. GS, Bd. 3, Frankfurt/M. 1997, S. 192-235
Bruhn, Joachim: Unmensch und Übermensch. Über Rassismus und Antisemitismus. In: Bruhn, Joachim: Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. Freiburg 1994, S. 77-110
Claussen, Detlev: Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus. Frankfurt/M. 1994
Grigat, Stephan: Fetischismus als Wahn: Antisemitismus und Rassismus. In: Grigat, Stephan: Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus. Freiburg 2007, S. 273-351
Grigat, Stephan: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Zionismus. In: Grigat, Stephan (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006, S. 115-130
Horkheimer, Max: Antisemitismus: Der soziologische Hintergrund des psychoanalytischen Forschungsansatzes. In: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 5, Frankfurt/M. 1987, S. 364-372
Horkheimer, Max: Die Juden und Europa. In: Horkheimer, Max: Gesammelte Schriften, Bd. 4, Frankfurt/M. 1988
Markl, Florian: Beschädigtes Leben und Judenhass. Kritik des Antisemitismus als Gesellschaftskritik. In: Grigat, Stephan (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg 2006, S. 131-154
Markovits, Andrei: Antiamerikanismus und Antisemitismus in Europa. In: Rabinovici, Doron/Speck, Ulrich/Sznaider, Natan (Hg.): Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte. Frankfurt/M. 2004, S. 211-233
Poliakov, Leon: Vom Antizionismus zum Antisemitismus. Freiburg 1992
Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus. In: Postone, Moishe: Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen. Freiburg 2005, S. 165-194
Rensmann, Lars: Kritische Theorie über den Antisemitismus. Studien zu Struktur, Erklärungspotential und Aktualität. Berlin 1998
Scheit, Gerhard: Der Antisemitismus: Politik und Vernichtung/Exkurs: Über zionistischen Staat und messianische Hoffnung. In: Scheit, Gerhard: Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt. Freiburg 2004, S. 237-339
8. Einheit 28.05.09 Irina Djassemy: Karl Kraus und Theodor W. Adorno
Präsentiert werden entscheidende Momente der bis heute vielfach unterschätzten Affinität der Kulturkritik von Karl Kraus (1874-1936) zur kritischen Theorie des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Der Schwerpunkt soll dabei auf dem jeweiligen Autonomiekonzept liegen, das sich in allen wichtigen Bereichen der Kritik (Medien-, Sozialisations-, Ökonomiekritik) manifestiert.
Literatur:
Irina Djassemy: Der „Produktivgehalt kritischer Zerstörerarbeit“.Kulturkritik bei Karl Kraus und Theodor W. Adorno, Würzburg 2002
9. Einheit 04.06.09 Johann Dvořák: Walter Benjamins Materialismus und das „geistige Österreich“
10. Einheit 18.06.09 Gerhard Scheit: “Behemoth” und die “Dialektik der Aufklärung”
Die beiden Werke werden weniger als Grundlagentexte der Kritischen Theorie einander gegenübergestellt als zu dem Zweck, ihre inneren Widersprüche herauszuarbeiten.
Literatur:
Franz Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944. Hg. v. Gert Schäfer. Frankfurt am Main 1998 Theodor W. Adorno/Max
Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Bd. 5. Hg. v. Gunzelin Schmid Noerr.
Frankfurt am Main 1987
Themenvorschläge für Abschlußarbeiten:
Entstehungsgeschichte und Zusammenhang von “Behemoth” und “Dialektik der
Aufklärung”
Textgrundlage:
Alfons Söllner: Geschichte und Herrschaft. Studien zur materialistischen Sozialwissenschaft 1929-1942. Frankfurt/M 1979
Begriff des Rechts und der Vernunft bei Neumann und bei Adorno/Horkheimer
Textgrundlage:
Kapitel “Begriff der Aufklärung” aus der “Dialektik der Aufklärung” und Erster Teil: “Die politische Struktur des Nationalsozialismus” aus “Behemoth”
Rezeptionsgeschichte von “Behemoth” und “Dialektik der Aufklärung”
Textgrundlage:
Reform und Resignation. Gespräche über Franz. L. Neumann, hg. v. Rainer Erb. Frankfurt/M. 1985
11. Einheit 25.06.09 Florian Ruttner/Alex Gruber: Kritische Theorie und die Postmoderne
Seit Habermas 1983 in seinen Vorlesungen zum „philosophische[n] Diskurs der Moderne“ die These aufstellte, dass der französische Poststrukturalismus die Aufklärungs- und Vernunftkritik der Kritischen Theorie übernommen und weitergeführt habe, gibt es immer wieder Versuche, Foucault, Derrida und andere als logische und legitime Erben der „Dialektik der Aufklärung“ darzustellen. Das Beharren des Poststrukturalismus auf Differenz wird als in der Tradition des Adornoschen Begriffs des „Nichtidentischen“ stehend behauptet und damit als Kritik der Identitätslogik. Der Kampf gegen Allgemeinbegriffe, der den Ausweg aus den Fallen des modernen metaphysischen Denkens weisen soll, gerät allerdings zum Kampf gegen den Begriff einer vernünftigen Allgemeinheit und richtet sich so gegen die Idee der Versöhnung, ohne die Kritische Theorie nicht zu denken ist.
Literatur:
Adorno, Theodor W.: Ontologie und Dialektik, Frankfurt a. M. 2008
Dahlmann, Manfred: Das Rätsel der Macht. Über Michel Foucault, in: Bruhn, Joachim / Dahlmann, Manfred / Nachtmann, Clemens (Hrsg.):Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag, Freiburg 2000, S. 83 – 108
Gruber, Alex: Zur Ontologie der Differenz. Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Gesellschaftskritik, in: bahamas 57 2009
Türcke, Christoph: Vom Kainszeichen zum genetischen Code. Kritische Theorie der Schrift, München 2005
May 19th, 2009 at 8:08 pm
Über die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie….
Der Antisemitismus als narzisstische Kränkung und pathische Projektion.
Vortag von Ljiljana Radonic
Download der mp3-Datei
[…]
[Heute] werde ich […] über die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie sprechen und auc…